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Nocken ohne Ende

Normalerweise bin ich kein Freund von wohlgemeinten, touristischen Hinweisschildern, die einem das Denken abnehmen möchten, dabei aber lediglich den Natureindruck stören. Doch in diesem Fall mache ich eine Ausnahme: Magie des Augenblicks. Ja! Stehen, staunen, glücklich sein. Vor uns liegt der Millstätter See in seiner vollen Pracht, umrahmt von den sanften Gipfeln der Nockberge. Das Leben ist schön!

Tschiernock, Hochpalfennock, Tschierweger-Nock, Kamplnock – auf unserer schweißtreibenden Zweitagestour lernen wir jeden einzelnen Gipfel davon kennen und erhaschen dabei immer wieder einen Blick auf den tiefsten See Österreichs. Die Etappen 12 und 13 des Alpe Adria Trails (ein Fernwanderweg vom Großglockner bis Italien) dienen uns der Orientierung. Sie führen uns auch auf den wunderschönen Millstätter Höhensteig, auf dem wir zwischen Tschiernock und Tschierweger Nock wandeln und uns dabei den doch noch recht frischen Wind um die Nase wehen lassen.

Das Tagesziel, die Millstätter Hütte, ist nach sieben, Kopf-frei-machenden Stunden erreicht. Beim Eintreten weht uns eine wohlige Wärme entgegen. Die Wirtin begrüßt uns herzlich, der heiße Milchkaffee in der urigen, gemütlichen Stube ist eine Wohltat für uns müde Wanderer. Zum Abendessen genießen wir Kärtner Nudeln (nur echt mit handgekrendeltem Rand!) mit selbstgepökeltem Speck und zerlassener Butter. Hmmmmm! Der Hüttenabend ist ganz nach meinem Geschmack. Ein spannendes Mensch-ärger-dich-nicht-Match und gute Gespräche mit unseren beiden Mitbewohnern und der Wirtin. Früh fallen wir ins Bett – oder besser gesagt, aufs Matrazenlager.

Frühstück. Hart untertrieben. Es ist ein Festmahl für die Seele und gibt Kraft für den neuen Wandertag. Draußen warten auf uns strahlender Sonnenschein, noch mehr frische, klare Luft und weitere 22 km. Unterwegs treffen wir zwei scheue Murmeltiere, die sich aber leider in ihrem Bau verkriechen noch bevor wir sie fotografieren können. Wir bewundern den Glimmerschiefer, entdecken die ersten Sprossen des Berwohlverleih (Arnika) und freuen uns ein ums andere Mal, wenn uns der blaue Enzian entgegenlacht.

Steine, Wiesen, Waldwege, es geht kontinuierlich bergab an diesem Tag – nur unsere gute Laune steigt Schritt um Schritt, die Freude über die kleinen Wunder der Natur und immer wieder das Erstaunen über den herrlichen Ausblick, der auf jedem Höhenmeter Neues zu bieten hat. Wir kommen im Tal an. Müde, entschleunigt und um viele Erfahrungen reicher.

ERKENNTNIS DES TAGES
Eine Banane niemals unverpackt in den Rucksack packen. Grober Anfängerfehler!

2 Kommentare

    AlpenAnsichten

    😀 genau!

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