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Wandern ohne Aussicht – auf Heimgarten und Herzogstand

Die Gratwanderung zwischen den beiden Gipfeln Heimgarten und Herzogstand gilt als Klassiker und als eine der schönsten und aussichtsreichsten Touren in den Bayerischen Voralpen. Doch auch an bewölkten Tagen ist sie durchaus reizvoll.

Seit Tagen juckt es mich in den Beinen, nur das Wetter macht nicht mit. Dann endlich ein Lichtblick – die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel. Also rein ins Auto und ab in Richtung Süden. Je näher ich München komme, desto stärker wird der Hochnebel. Durch die Stadt hindurch sehe ich fast gar nichts mehr. Auch an meinem Zielort, dem Walchensee, ist die Situation kaum besser – dicker Nebel lässt die Sonne nur erahnen und das andere Ufer ist kaum zu erkennen.

In der Hoffnung, weiter oben auf klare Sicht zu stoßen, beginne ich den Aufstieg zum Heimgarten. Zwischendurch scheint es auch wirklich so, als könnte die Sonne die Wolken doch noch verdrängen. Aber spätestens bei meiner Mittagspause in der Heimgartenhütte auf 1.785 Metern ist klar: Das wird heute nichts mehr.

Den schönsten aber auch schwierigsten Teil der Wanderung verbringe ich eingehüllt in dicke Nebelschwaden. Ein Schild zu Beginn der Teilstrecke weißt mich darauf hin, dass jetzt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit zwingend erforderlich seien. Ich zögere kurz, man muss sich schließlich nicht unnötiger Gefahren aussetzen, lasse es dann aber auf einen Versuch ankommen. Die richtige Entscheidung, denn der schmale Weg ist trotz allem immer gut erkennbar und Angst vor einem falschen Tritt muss ich dank der überaus großzügig angebrachten Stahlseilsicherungen keineswegs haben.

Die Bewegung an der frischen Luft tut unglaublich gut und das Wandern im Nebel ist eine ganz neue Erfahrung. Man konzentriert sich ausschließlich auf das Gehen, kann seinen Gedanken freien Lauf und die Welt für kurze Zeit Welt sein lassen. Auch hat es den Vorteil, auf dieser eigentlich sehr stark frequentierten Strecke, kaum jemandem zu begegnen und sie ganz alleine erforschen zu können.

Dennoch, die Aussicht vermisse schon ein wenig. Schließlich wurde gerade das Panorama von Walchensee, bayerischem Voralpenland, Karwendelgebirge und Wettersteingebirge inklusive Zugspitze so hoch angepriesen. Doch was rechts und links von mir geschieht oder wie weit es tatsächlich runter geht, ist leider nicht erkennbar. Alles ist wie in Watte gehüllt.

Der Herzogstand auf 1.731 Metern ist mein zweiter Gipfel und auch das Tageslziel. Von dort aus geht es noch ein kurzes Stück bergab zur Seilbahn und damit zurück ins Tal. Hier komme ich ganz sicher nochmal her – dann allerdings bei schönem Wetter.

ERKENNTNIS DES TAGES
Schwindelfreiheit bei Nebel wird völlig überbewertet.

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